Adapter beschäftigt sich mit neuen Perspektiven auf das Urbane Wohnen an der Schnittstelle zu und in Wechselwirkung mit der Stadt. Im Rahmen eines Pilotprojektes soll temporärer gewerblicher Leerstand genutzt werden, um neue gemeinschaftliche Wohnformen in der Alltagsrealität zu erproben, die den sozialen Austausch und Möglichkeiten zur Mitgestaltung der Stadt stärken. Unter aktiver Beteiligung von Interessierten, Nutzern und Eigentümern sollen Konzepte erarbeitet und getestet werden um aus Leerstand einen Möglichkeitsraum für Bewohner und Nachbarschaft zu machen.

Ablauf

Schematisch ist hier der Ablauf zur Umsetzung der Wohnzwischennutzung aufgezeigt. Der Ablauf wird vom Verein vorbereitet, begleitet, dokumentiert, evaluiert um zu neuen Erkenntnisse zu Wohnformen der Gegenwart und Zukunft zu gelangen.

Ziele

Das Wohnprojekt mit Adapter e.V. soll zum Impuls für eine partizipative Stadtentwicklung werden. Es soll aufzeigen, dass ein gemeinschaftliches und gemeinwohlorientiertes Wohnprojekt über den Kreis der Bewohner hinaus zu Nachbarschaft, Quartier und Stadt beitragen kann. Wir möchten damit den Diskurs sowohl innerhalb der Stadtgesellschaft als auch in der Stadtverwaltung anregen und zeigen, dass Zwischennutzungen einen positiven Einfluss auf den Stadtraum haben und einen Rahmen für die Eigeninitiative der Bevölkerung darstellen kann. Eine temporäre Belebung des Leerstands soll außerdem auf die Potentiale des Ortes aufmerksam machen und Möglichkeiten aufzeigen diese bedarfsorientiert zu nutzen.Dazu wollen wir eine Zwischennutzung für ein bis drei Jahre realisieren.

Wohnen in temporärem gewerblichem Leerstand

Angesichts steigender Flächenkonkurrenzen in europäischen Städten und den dadurch einsetzenden Verdrängungsprozessen, wächst der Handlungsdruck neue Wege zu finden wie mit Raum in der Stadt umzugehen ist. Um dennoch Orte in der Stadt zu finden, an denen alternative Herangehensweisen der Stadtentwicklung erprobt und innovative Konzepte unter realen Bedingungen entwickelt werden können, gilt es nach Räumen abseits klassischer Marktmechanismen Ausschau zu halten: Durch sich wandelnde Anforderungen an Gebäude, Fluktuation der Nutzer und neue Bedürfnisse der Gesellschaft kommt es kontinuierlich zu einer Reorganisation von städtischen Strukturen. Insbesondere dabei entstehende temporäre Leerstände von gewerblich genutzten Immobilien bieten erhebliche Potenziale als Experimentierflächen.

Die Zwischennutzung dieser Flächen bieten eine ideale Grundlage, um in realem Umfeld neue Ideen zu testen. Da sie einer anderen Logik als etablierte Planungsinstitutionen oder einem an Investitionsgewinnen orientiertem Handeln folgen, bieten sie den Rahmen unkonventionelle Konzepte auf Zeit zu verwirklichen, und ergebnisoffene Prozesse einzugehen.

Durch ihre offenen Grundrisse bietet sich das Potenzial hier neue Formen des Zusammenlebens auf Zeit zu erproben. Auch über die Immobilie werden neue Erkenntnisse gewonnen, da die reale Umgebung unmittelbaren Einfluss auf die Forschung hat. Nicht nur der Ort profitiert durch die Belebung, sondern die Entwicklung wird sichtbar, macht den Transformationsprozess eines Ortes erlebbar und transparent. Bewohner der Umgebung haben die Möglichkeit sich einzubringen, es entsteht eine Anlaufstelle, sodass die Annahmebereitschaft der Bevölkerung für neue Ideen und Entwicklungen durch Beteiligung gefördert wird.

Ausbau

Um temporär leer stehende Gewerbeimmobilien bewohnbar zu machen, müssen wiederverwendbare bauliche Lösungen gefunden werden. Ein vorgefertigtes Paneelsystem soll dabei einen schnellen, einfachen und flexiblen Ausbau ermöglichen. Nach Ende der Nutzungsphase kann das System wieder in seine Einzelteile zerlegt und an einem anderen Ort erneut aufgebaut werden. Um eine angenehme Wohnatmosphäre zu erzielen, sind die Oberflächen des Systems in Holz gehalten, welches mit dunklem Kautschuk kombiniert und kontrastiert wird. Während technische Installationen wie Strom und Wasser-/Abwasser vorgesehen sind, ist der konstruktive Aufbau der einzelnen Paneele auf eine möglichst gute akustische Dämmung und ein geringes Eigengewicht optimiert. Um die Produktionskosten niedrig zu halten, wurde darauf geachtet, möglichst wenige unterschiedliche Paneele zu planen und dennoch eine maximal flexible Raumgestaltung zu garantieren.

mehr zum Paneelsystem

Wissen gewinnen

Das Modellvorhaben versteht sich als einen Beitrag für die nachhaltige Gestaltung unserer Gesellschaft. Es legt Wert auf einen hohen Realitätsbezug und stellt die soziale Interaktion ins Zentrum. Ziel des Vorhabens ist die Wissensgenerierung und -anwendung über gesellschaftlich-innovative Wohnformen, im Sinne kooperativer und prozessorientierter Stadtentwicklung. Dadurch können Planungs- und Entscheidungsprozesse von wissenschaftlichen Erkenntnissen unterstützt und Wege aufgezeigt werden, gesellschaftliche Probleme praktisch und politisch zu bewältigen.

Glossar

  • Eine Zwischennutzung ist eine zeitlich begrenzte Nutzung an einem bestimmten Ort mit beabsichtigter Folgenutzung.
  • die vorhergehende Nutzung auf der betroffenen Fläche ist abgeschlossen.
  • die Länge ihres Zeitraums ist bestimmt, jedoch situationsspezifisch und kann daher stark variieren.
  • Die Nutzung wird – in Bezug auf die vorhergehenden Nutzung – mindestens für den Zeitraum der Zwischennutzung geändert, die Grenzen der Nutzungsarten können dabei schwimmend sein.
  • tritt nicht periodisch auf.
  • die Folgenutzung kann der der Zwischennutzung vorhergegangenen Nutzung, oder auch der Nutzung während der Zwischennutzung entsprechen.
  • Eine Zwischennutzung kann nach Ablauf des Zeitraumes auch an einen anderen Ort weiter ziehen.
„Leerstand“ definieren wir nicht herkömmlich (offiziell fallen unter Leerstand kurzfristig verfügbare, marktfähige Gebäude, die innerhalb von drei Monaten bezugsfähig sind) sondern beziehen wir auf Gebäude, die zu marktüblichen Konditionen schwer bis nicht vermarktbar sind, daher für einen längeren Zeitraum leer stehen und so drohen aus dem Markt zu fallen. Diese Leerstände werden bislang nicht statistisch erfasst, stellen jedoch eine wertvolle, ungenutzte Raumressource im Stadtgefüge dar.

Aktive Teilhabe staffelt sich nach Möglichkeiten und Kapazitäten der Akteure. Verantwortungen und Pflichten werden zwischen ihnen, spezifisch nach ihren individuellen Möglichkeiten und Interessen, aufgeteilt. Dabei gelten folgende Grundsätze:

  • Kommunikation ist die Grundlage der Zusammenarbeit. Abstimmungen zwischen Nutzern, Eigentümern und Verwaltung finden im gemeinsamen Dialog oder moderierten Prozess statt.
  • Alle Akteure profitieren.
  • Bei  mehr Engagement oder Betroffenheit der einzelnen Akteure desto wichtiger wird ihre Teilhabe.
  • Verantwortungen und Pflichten werden nach Potentialen und Möglichkeiten unter den Akteuren aufgeteilt.
  • Die führende Hand liegt bei der Projektgruppe.
  • Die Projektgruppe bestimmt das Grundkonzept, die Organisationsform und das architektonische Grundgerüst.
  • In der Projektgruppe sind alle Beteiligten gleichberechtigt.

Wohnen ist ein Grundbedürfnis sowie Grundrecht jedes Menschen.

Wie wir wohnen beeinflusst direkt wie wir leben. Wohnformen sollten auf die Lebenswirklichkeiten der Bewohner und Bewohnerinnen reagieren. Für Lebensqualität ist hohe Wohnqualität entscheidend.

Kriterien für Wohnqualität sind

  • die soziale Organisation zwischen den Wohnenden
    wie werden Aufgaben und Verantwortlichkeiten verteilt? welche Hierarchien existieren?
  • das Verhältnis zwischen Kollektiv und Individuum
    was teilen wir mit wem? wie können wir eine Balance zwischen Gemeinschaft und Selbstbestimmung herstellen?
  • Privat und Öffentlich
    wie können Bereiche (privat, gemeinschaftlich, öffentlich) voneinander profitieren? was bedeutet gemeinschaftliches Wohnen und Nachbarschaft?
  • Mischung
    wie sieht eine nachhaltige Mischung der Bewohnergruppen und soziale Mischung in Nachbarschaft und Stadt aus?
  • Mengen
    wie viel Raum ist nötig um angemessen zu leben? wie kann man Raum effektiv organisieren? wie ermöglichen wir genug Raum zur freien Entfaltung? Können wir durch Gleichzeitigkeit von Nutzungen und multifunktionale Flächen mehr Raum generieren?
  • Identität
    wann entsteht durch Nutzer und Benutzung Identifikation mit einem Ort? Was macht das mit dem Ort? wann entsteht das Gefühl des Zuhause seins? wie beeinflusst Identifikation den verantwortungsvollen Umgang mit dem Wohnumfeld?