Die Benutzung der Stadt und die Ansprüche an Raum verändern sich. Wohnen und Arbeiten sind nicht mehr in einem modernistischen Sinne getrennt, sondern werden neu gedacht. Klassische Haushaltskonstellationen werden seltener, oder entsprechen oft nicht mehr den aktuellen Lebensrealitäten. Zugleich besteht der Bedarf nach sozialem Austausch und stärkerem Zusammenhalt. Angesichts dieses gesellschaftlichen Wandels benötigen wir neue Formen des Zusammenlebens und Wohnens in der Stadt.

Um die soziale Wirklichkeit zu untersuchen und Antworten auf gesellschaftliche Fragen unserer Zeit zu finden, ist es notwendig im Sinne sozial-innovativer Stadtentwicklung gesellschaftliche Transformationsprozesse zu hinterfragen, zu interpretieren und zu gestalten. 

Urbanes Wohnen

Wie kann eine Wohnform aussehen, die über den Kreis der Bewohner hinaus in die Stadt wirkt und die Stadt ins Haus einlädt?

Foto: Sarah Jansen

Akteursbasierte Entwicklung

Wie schreibt sich unser Wohnverhalten in die Stadtentwicklung ein? Wie kann Teilhabe ein produktives Miteinander ermöglichen? Wie sehen zeitgemäße Methoden der Teilhabe aus, die die Bürgerschaft aktiv in die Entwicklung ihrer Stadt einbindet? Welche Rollenkonstellationen ermöglichen niederschwellige Teilhabe? Wie kann Teilhabe den Charakter einer Stadt und die Identifikation mit ihr stärken?

Wohnverhalten

Wie können sich individuelle Bedürfnisse und Verhaltensweisen im Wohnen ausdrücken? Wodurch werden Vorstellungen und Erwartungen an das Wohnen beeinflusst? Wie drückt sich das Verständnis der Gesellschaft im Wohnen aus? Wie sieht selbstbestimmtes Wohnen in der Gemeinschaft aus? Wie funktionieren Wechselwirkungen zwischen Privat und Öffentlich?

Raumgestaltung

Was bedeuten unsere Vorstellungen von und Erwartungen an Wohnen für die Gestaltung des Wohnraums? Welche Grenzen brauchen wir zwischen Öffentlich und Privat? Wie erzeugt das Wohnen Schwellen? Wie drücken sich die Schwellen aus und wie sind sie gestaltet? Wie werden Schwellen durch Teilen (von Raum, Ressourcen, Arbeit, Informationen etc.) beeinflusst? Welchen Einfluss haben Rollen konstellationen auf die Gestaltung des Lebensraumes?
Foto: Sarah Jansen

Ziele

Durch die Generierung, Anwendung und Sichtbarmachung neuer Erkenntnisse über unsere Wohnpraxis soll das Bewusstsein für die Gestaltung des Zusammenlebens bei den Beteiligten gestärkt werden. Interdisziplinär, sowie im Kontakt mit Nutzern und Entscheidungsträgern, soll dieses transformative Wissen erarbeitet und angewandt werden, das heißt als allgemeingültige Handlungsansätze entwickelt und in der Alltagsrealität beispielhaft erprobt werden.

Foto: Sarah Jansen

Partizipation und Ko-Produktion

Es werden Handlungsempfehlungen und Kooperationsmodelle zwischen Kommune, Zivilakteuren, Fachdisziplinen und Privatwirtschaft für Experimente als Werkzeug der Stadtentwicklung erarbeitet. Der kooperative Diskurs befördert die Wissensgenerierung und disziplin-übergreifende Entwicklungsansätze.

Foto: Larissa Haas

neue Ideen für Wohnformen

Für räumliche Antworten auf Bedürfnisse und Anforderungen an das Urbane Wohnen werden Wohnvorstellungen untersucht und neue Ansätze zur Aushandlung von Öffentlich und Privat entwickelt. Durch Praxistests werden Erkenntnisse für den Städte- und Wohnungsbau generiert.

Potenziale von Experimenten

Experimente und urbane Interventionen bringen neue Erkenntnisse hervor und veranschaulichen durch ihre Erlebbarkeit die Thematik. Bei Wohngruppe, Nachbarschaft, Stadtgesellschaft und Politik soll so das Bewusstsein für Wohnbedürfnisse und Stadträume gesteigert, sowie die Bereitschaft neue Wege zu testen gefördert werden.

Foto: Larissa Haas

Wege zu einer neuen sozialen Praxis

Das Bewusstsein für die eigenen Rolle im Gemeinwesen und dasDemokratieverständnis wird durch Gestaltungsmacht im Alltag, durch eigene Entscheidungen und Handlungen gestärkt. Ziel ist ein größerer gesellschaftlicher Zusammenhalt durch mehr Eigenverantwortung, sozialem Austausch und hohe Kommunikationsdichte in Stadt und Quartier, im Gebäude und mit der Nachbarschaft.

wie wollen wir zukünftig in Stuttgart leben und wo bieten sich in der Stadt Räume um zu gestalten und sich einzubringen? Diese Fragestellung und die Motivation, neue Lösungen zu erarbeiten, haben uns dazu veranlasst die Initiative zu ergreifen.

situation

wohnraum

Hohe Flächenkonkurrenz in der Stadt, die zu steigenden Mieten führt, ist für viele europäische Städte eine Herausforderung. Neben bekannten Vorgehensweisen wie Neubau oder Nachverdichtung gilt es alternative Wege zu finden, wie mit knappen Raumangebot umgegangen werden kann, um der steigenden Nachfrage begegnen zu können und einem Verdrängungsprozess entgegenzuwirken. 

temporärer leerstand

Stuttgart ist eine dynamische Stadt. Durch strukturellen und demographischen Wandel entstehen immer wieder Phasen des temporären gewerblichen Leerstands. Das führt zu Nichtnutzung von dringend benötigtem Raum, gleichzeitig entstehen laufende Kosten für den Eigentümer und die Wertminderung der Immobilie durch Leerstand und Vandalismus können negativen Einfluss auf das Stadtbild zur Folge haben.

aktive teilhabe aller akteure

Städte zeichnen sich durch lebendige, durchmischte Quartiere und eine pluralistische Stadtgesellschaft aus. Um dies zu erreichen wird die Einbeziehung der Bürger zunehmend fester Bestandteil politischer Entscheidungsprozesse. Zugleich engagieren sich Bürger für aktive Mitgestaltung der Stadt. Begegnen sich Nutzer, Stadt und Eigentümer auf Augenhöhe und werden alle Akteure in den Planungs- und Umsetzungsprozess einbezogen, wird eine bedarfsnahe Stadtentwicklung ermöglicht.

projekt

 

So ergibt sich die Möglichkeit Leerstand unter aktiver Teilhabe aller Akteure temporär als Wohnraum zwischenzunutzen. Durch ihren temporären Charakter haben Zwischennutzungen das Potential die Phase des Leerstandes produktiv zu überbrücken. So wird Raum effizienter genutzt, Wohnraum generiert und es entsteht eine neue Art der Stadtentwicklung. Diese Synergien spannen folgende Testfelder auf:

raumgestaltung

Um temporären gewerblichen Leerstand bewohnbar zu machen, müssen wiederverwendbare bauliche Lösungen gefunden werden. Im Rahmen des Projektes sollen architektonische Konzepte prozesshaft entwickelt, getestet und optimiert werden. Eine Herausforderung besteht dabei besonders darin, Wohnnutzung in eine nicht dafür ausgelegte bauliche Struktur zu integrieren.

neue wohnform

Diese räumlichen Grundvorraussetzungen ermöglichen eine neue Form des Wohnens. Durch eine kontinuierliche Teilhabe der Nutzer am Entstehungsprozess wird eine individuelle Wohnform geschaffen, die flexibel an wandelnde Bedürfnisse angepasst werden kann. Dieses Vorgehen schafft Identifi kation der Bewohner mit dem Projekt, sowie Verantwortungsbewusstsein. Über die Kombination mit einer öffentlichen Nutzung erhält das Wohnprojekt eine Verknüpfung mit der Nachbarschaft.

akteursbasierte entwicklung

Die Interaktion mit der Öffentlichkeit und die Möglichkeit der aktiven Teilhabe aller Akteure ist ein signifikanter Bestandteil des Projekts, der ortsspezifische Lösungsansätze schafft. So werden Potentiale der Immobilie erforscht, Anliegen der Nachbarschaft und Bedürfnisse im Quartier berücksichtigt. Die temporäre Belebung des Ortes hat Einfluss auf dessen Wahrnehmung und – über ihren Zeitraum hinaus – einen langfristigen Mehrwert für dessen Entwicklung.

Zwischennutzungen bieten allen beteiligten Akteuren Vorteile. Verfügbare Raumressourcen werden effizient und bedarfsorientiert genutzt. Für Eigentümer können Mieteinbußen gemildert und Nebenkosten gedeckt werden, während Nutzern über das Prinzip „Vergünstigung durch Befristung“ neue Möglichkeiten gegeben werden. Zugleich wird Eigentümern und Stadt die Möglichkeit geboten für einen begrenzten Zeitraum zu erproben was künftig möglich sein könnte. Durch erhöhte Aufmerksamkeit wird eine positive Imagebildung befördert, die Attraktivität des Ortes gesteigert und der Werterhalt der Immobilie gesichert. Lebendige Stadtquartiere bleiben so erhalten und gewinnen neue Impulse.