wie wollen wir zukünftig in Stuttgart leben und wo bieten sich in der Stadt Räume um zu gestalten und sich einzubringen? Diese Fragestellung und die Motivation, neue Lösungen zu erarbeiten, haben uns dazu veranlasst die Initiative zu ergreifen.

situation

wohnraum

Hohe Flächenkonkurrenz in der Stadt, die zu steigenden Mieten führt ist für viele europäische Städte eine Herausforderung. Neben bekannten Vorgehensweisen wie Neubau oder Nachverdichtung gilt es alternative Wege zu finden, wie mit knappen Raumangebot umgegangen werden kann, um der steigenden Nachfrage begegnen zu können und einem Verdrängungsprozess entgegenzuwirken. 

temporärer leerstand

Stuttgart ist eine dynamische Stadt. Durch strukturellen und demographischen Wandel entstehen immer wieder Phasen des temporären gewerblichen Leerstands. Das führt zu Nichtnutzung von dringend benötigtem Raum, gleichzeitig entstehen laufende Kosten für den Eigentümer und die Wertminderung der Immobilie durch Leerstand und Vandalismus können negativen Einfluss auf das Stadtbild zur Folge haben.

aktive teilhabe aller akteure

Städte zeichnen sich durch lebendige, durchmischte Quartiere und eine pluralistische Stadtgesellschaft aus. Um dies zu erreichen wird die Einbeziehung der Bürger zunehmend fester Bestandteil politischer Entscheidungsprozesse. Zugleich engagieren sich Bürger für aktive Mitgestaltung der Stadt. Begegnen sich Nutzer, Stadt und Eigentümer auf Augenhöhe und werden alle Akteure in den Planungs- und Umsetzungsprozess einbezogen, wird eine bedarfsnahe Stadtentwicklung ermöglicht.

projekt

 

So ergibt sich die Möglichkeit Leerstand unter aktiver Teilhabe aller Akteure temporär als Wohnraum zwischenzunutzen. Durch ihren temporären Charakter haben Zwischennutzungen das Potential die Phase des Leerstandes produktiv zu überbrücken. So wird Raum effizienter genutzt, Wohnraum generiert und es entsteht eine neue Art der Stadtentwicklung. Diese Synergien spannen folgende Testfelder auf:

raumgestaltung

Um temporären gewerblichen Leerstand bewohnbar zu machen, müssen wiederverwendbare bauliche Lösungen gefunden werden. Im Rahmen des Projektes sollen architektonische Konzepte prozesshaft entwickelt, getestet und optimiert werden. Eine Herausforderung besteht dabei besonders darin, Wohnnutzung in eine nicht dafür ausgelegte bauliche Struktur zu integrieren.

neue wohnform

Diese räumlichen Grundvorraussetzungen ermöglichen eine neue Form des Wohnens. Durch eine kontinuierliche Teilhabe der Nutzer am Entstehungsprozess wird eine individuelle Wohnform geschaffen, die flexibel an wandelnde Bedürfnisse angepasst werden kann. Dieses Vorgehen schafft Identifi kation der Bewohner mit dem Projekt, sowie Verantwortungsbewusstsein. Über die Kombination mit einer öffentlichen Nutzung erhält das Wohnprojekt eine Verknüpfung mit der Nachbarschaft.

akteursbasierte entwicklung

Die Interaktion mit der Öffentlichkeit und die Möglichkeit der aktiven Teilhabe aller Akteure ist ein signifikanter Bestandteil des Projekts, der ortsspezifische Lösungsansätze schafft. So werden Potentiale der Immobilie erforscht, Anliegen der Nachbarschaft und Bedürfnisse im Quartier berücksichtigt. Die temporäre Belebung des Ortes hat Einfluss auf dessen Wahrnehmung und – über ihren Zeitraum hinaus – einen langfristigen Mehrwert für dessen Entwicklung.

Zwischennutzungen bieten allen beteiligten Akteuren Vorteile. Verfügbare Raumressourcen werden effizient und bedarfsorientiert genutzt. Für Eigentümer können Mieteinbußen gemildert und Nebenkosten gedeckt werden, während Nutzern über das Prinzip „Vergünstigung durch Befristung“ neue Möglichkeiten gegeben werden. Zugleich wird Eigentümern und Stadt die Möglichkeit geboten für einen begrenzten Zeitraum zu erproben was künftig möglich sein könnte. Durch erhöhte Aufmerksamkeit wird eine positive Imagebildung befördert, die Attraktivität des Ortes gesteigert und der Werterhalt der Immobilie gesichert. Lebendige Stadtquartiere bleiben so erhalten und gewinnen neue Impulse.

das projekt adapter

soll zum Impuls für eine partizipative Stadtentwicklung werden. Es soll aufzeigen, dass ein gemeinschaftliches und gemeinwohlorientiertes Wohnprojekt über den Kreis der Bewohner hinaus zu Nachbarschaft, Quartier und Stadt beitragen kann. Wir möchten damit den Diskurs sowohl innerhalb der Stadtgesellschaft als auch in der Stadtverwaltung anregen und zeigen, dass Zwischennutzungen einen positiven Einfluss auf den Stadtraum haben und einen Rahmen für die Eigeninitiative der Bevölkerung darstellen kann. Eine temporäre Belebung des Leerstands soll außerdem auf die Potentiale des Ortes aufmerksam machen und Möglichkeiten aufzeigen diese bedarfsorientiert zu nutzen.

Zwischennutzung hat das Potential zu einem zukunftsorientierten und nachhaltigen Stadtentwicklungstool zu werden, das zu diesen Bereichen vielfältige Lösungsansätze hervorbringen kann. Mit dem gemeinnützig angelegten Projekt „Adapter“ wollen wir dieses Potential testen und erforschen. Langfristiges Ziel des Projektes ist es, eine Zwischennutzung für ein bis drei Jahre zu realisieren.